How NOT to study Teil I

8 Semester Mindeststudienzeit, 12 Semester Durchschnittsstudienzeit. Das ist das rechtswissenschaftliche Studium am Juridicum. Doch wie sieht die andere Seite aus? Wer schon im Vorhinein die Mindeststudienzeit aufgegeben hat, kann nun entspannt Richtung Zukunft blicken und ganz nach dem Motto eines berühmten Verkehrsschildes namens „Umleitung“, das Studentenleben auf sich wirken lassen. Die Möglichkeiten, die ach so schöne Studienzeit in die Länge zu ziehen, sind am Juridicum geradezu unendlich und stellen wohl einen wesentlichen Charakterzug unseres Curriculums dar. Natürlich gibt es die Option bloß formell angemeldet zu sein, aber das wäre doch viel zu einfach!

Der Aufbau unseres wunderbaren Studiums verschickt regelrecht herzliche Einladungen, die Dauer in die Länge zu ziehen. Ob diese via E-Mail, per Post oder über ein Anmeldesystem, bei dem man zuvor einen Crashkurs über die Informatik der ´90 Jahre braucht, zu jeder und jedem einzelnen Studierenden kommen, hat sich die Institution Universität Wien Juridicum noch nicht so ganz festgelegt.

Zu Beginn sind das Vorlesungsverzeichnis, die Steop – Phase und damit zusammenhängend die Pflichtveranstaltungen, die erste kritische Zeit. Wo, Wie, Was, Wann?

Ein besonderes Highlight kommt dann, wenn du in die Übung zwar reinkommst, aber diese dann nicht positiv abschließt. Somit darf man ein weiteres Semester den unheimlich spannenden Inhalten des römischen Rechts oder der Rechtsgeschichte lauschen und denkt sich vielleicht nicht zum ersten Mal „What the f***“.

Einen ganz besonderen Spaß erlaubt sich das Anmeldesystem, wenn man als Studierender noch Latein nachholen muss, alle Anmeldungen gut funktioniert haben und man trotz Angabe jeder einzelnen Steop PÜ aus RömRecht, dennoch in diese eine kleine Rechtsgeschichteübung am ganz unteren Ende der eigenen Prioritätenliste gelost wird. Horrorfilme waren gestern, Anmeldungen der Studierenden für Übungen aus dem 1. Abschnitt des juristischen Studiums der Universität Wien sind heute.

Ist man erst einmal durch die glorreiche Steop-Phase durch (finally, praise the lord), warten, unter Umständen auch schon im ersten Semester gemacht, die Faszinationen AUE bürgerliches Recht sowie Strafrecht.

Auch hier hat man das Glück, sich durch den Prioritäten- und Punktevergabedschungel zu kämpfen, um vielleicht schlussendlich doch wieder in eine Übung zu kommen, die man ganz unten gereiht oder, wenn man wirklich sensationelles Glück hat, gar nicht angegeben hat, da man zu diesem Zeitpunkt schlicht nicht anwesend sein kann.

Trifft dies nicht auf jemanden zu, hat dieser aber vielleicht das große Glück auf der berühmten Warteliste auf Platz 1.345.099,45 zu landen. Sogleich danach fragt man am Institut an, ob eine Möglichkeit der Aufnahme bestünde und man wird auf die Anwesenheit in der ersten Einheit verwiesen. Leider ist dann der Raum voll und man bekommt keinen offiziellen Platz. Interessant, denn gefühlt 3 Wochen später ist diese Übung halb leer, aber was soll´s. Dafür bekommt man relativ bald eine herzliche Umarmung der Studiengebühren.

Zu guter Letzt darf man sich im 1. Abschnitt auch noch um die erste mündliche Prüfung sowie die FÜM 1 kümmern.

Letztere läuft unter dem Motto: Möchtest du eine Knock-out Prüfung schreiben, die sich vom Stoffumfang her mit einer Bachelorprüfung messen kann und deren Inhalt du in der Praxis größtenteils niemals brauchen wirst? Dann ist die FÜM 1 die Prüfung für dich.

Die riesige Freude auf Rechtsgeschichte wird nur noch übertroffen, wenn man das etwas gewöhnungsbedürftig gegliederte, blaue Manual in Händen hält und die ersten Seiten liest/lernt. Gefühlt wartet man nur noch auf den Moment wo Espresso und großes Red Bull nicht mehr wirken und Stadtstaaten das eigene Leben beherrschen. Zwischendurch findet man sich womöglich bei der Frage, ob die Integralrechnung, Rechtsphilosophie oder doch Rechtsgeschichte die Themengebiete sind, die man im Leben schon immer unbedingt lernen wollte und für das eigene weitere Leben am essentiellsten sind.

Nichtsdestotrotz kämpft man sich tagelang durch diese traumhaften Gebilde voller menschlicher Höchstleistungen und freut sich auf einen zweiten Abschnitt der „sicher viel besser und einfacher“ wird. Dies ist dann der Moment in dem alle Studenten aus dem 2. und 3. Abschnitt in großem Gelächter ausbrechen und im selben Atemzug nach dem Taschentuch (oder dem Vodka) greifen und sich die Tränen wegwischen.